Weihnachten in unserer Zeit

„Gott träumte seinen Traum, wie der Mensch eigentlich gedacht war. Und er verwirklichte seinen Traum, indem er einen neuen Anfang setzte. Er ließ seinen eigenen Sohn, das Bild seiner Herrlichkeit, Mensch werden. „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht" (Joh 1,18), er sollte Mensch werden und das Urbild des Menschen wieder herstellen. Er sollte den Menschen vor Augen führen, wie sie sein könnten, wenn sie aus der Einheit mit Gott heraus lebten. Er sollte sie an ihren göttlichen Ursprung erinnern, an den göttlichen Kern, den sie noch in sich trugen, aber den sie durch ihre Sünde verdunkelt hatten. An Weihnachten feiern wir den Traum Gottes, wie er in Jesus Christus sichtbar geworden ist. Wir feiern den Menschen, wie er in seinem reinen Wesen in Jesus aufgeleuchtet ist.“ 1)

Weihnachten ist ein in der nördlichen Hemisphäre durch typische Bilder gekennzeichnetes Fest der Besinnlichkeit und der Familie: ein gemütliches Mahl in der Familie oder mit engen Freunden, vom Kaminfeuer erwärmt; kalorienreiche Kost, die im Kontrast zur manchmal schneebedeckten weißen Landschaft steht. Von Lichtern erleuchtete Tannenbäume und Schneemänner im Freien vervollständigen die Freude der Nacht. – (Definition aus einem Lexikon)

Viele meinen: Weihnachtsmann in rotem Kostüm, Lichterglanz , Geschenke und und ... das wäre Weihnachten. In der auf Kommerz bedachten Welt, beginnt die Weihnachtszeit ja schon im September, wenn in den Warenhausketten Weihnachtsgebäck und Christ-Stollen angeboten werden. Hier reicht die eigentliche besinnliche Adventszeit ja nicht mehr aus, um den entsprechenden „Weihnachtsumsatz“ zu machen. Die Adventszeit, die genutzt werden soll, sich mit Gedanken an Frieden, Glauben, Liebe und Hoffnung auf Weihnachten vorzubereiten, wird schon im Herbst durch eine Prospektflut überrollt.

Die Freude über die Geburt Jesu, während des Besuchs der Messe an den Feiertagen, ist heute nur noch ein ganz kleiner Teil der Weihnachtsfeierlichkeiten.

Die meisten Bräuche zu Weihnachten gehen auf heidnische Feste zurück. Da die christliche Kirche diese Gepflogenheiten unterdrücken wollte, legte sie auf diese Festtage einfach christliche Termine. Ursprünglich wurde am 25. Dezember das Wintersonnwendfest (Gott Wotan gewidmet) gefeiert - auf dieses Datum wurde vom Konzil von Konstantinopel per Dogma im Jahre 381 einfach der Geburtstag Jesus' gelegt. Die Volksbräuche sind vom christlichen Festgedanken geprägt. Im Mittelpunkt des Weihnachtsabends stehen Christmette und Bescherung besonders der Kinder. Nicht nur "Christkind" oder "Weihnachtsmann“ sind die Gabenbringer, sondern auch besondere Gestalten, z. B. das  "Goldenes Rößl'' in  Ober-Österreich. Alter Lichterbrauch verbindet sich mit der  Anbringung von winterlichem Grün in den Stuben im Weihnachts- oder Christbaum. Allgemein üblich wurde der geschmückte Lichterbaum erst seit ca. 1800. Anderwärts bevorzugtes Wintergrün (u. a. Stechpalme, Eibe, Buchsbaum) wurde durch den immergrünen Tannenbaum verdrängt, wie auch andere ältere Weihnachtssymbole (z. B. schmuckbehangene Weihnachtsgestelle, Friesische Inseln; lichterbesteckte Weihnachtspyramiden, Erzgebirge, Vogtland, Bayern). Reiche Entfaltung fand das Weihnachtslied. Aus der Weihnachtsliturgie gingen die Weihnachtsspiele hervor. Von hier aus entwickelte sich auch die Weihnachtskrippe.

Im Laufe der Zeit ist Weihnachten immer hektischer geworden. Nicht umsonst wünschte man sich ja „Frohe und geruhsame Weihnachten“, denn  an zwei Feiertagen müssen, um des lieben Friedens Willen, alle Verwandte besucht werden, die man sonst im Jahr nicht sieht. Vor ähnlichen Problemen stehen auch geschiedene Familien mit ihren Kindern. --- Soll das Weihnachten sein?

„Gott hat einen Traum vom Menschen. Er wird in Jesus Christus Wirklichkeit. Der Mensch ist Königssohn und Königstochter. Er ist Sohn und Tochter Gottes. Und er ist Heiler und Heilerin. Gott träumt diesen Traum für jeden einzelnen Menschen immer wieder neu. Das Bild, das Gott sich von einem Menschen erträumt, ist jeweils einmalig und einzigartig. Unsere Aufgabe wäre, diesen einmaligen Traum Gottes in dieser Welt sichtbar werden zu lassen. Der Blick auf Jesus Christus, in dem Gottes Traum in unübertreffbarer Weise aufgeleuchtet ist, kann uns helfen, auch in uns das Bild aufscheinen zu lassen, das Gott sich von uns erträumt hat. Dann feiern wir wahrhaft Weihnachten. Dann wird Gott in uns geboren. Dann wird unser Leben neu, dann erscheint auch in uns die Güte und Menschlichkeit Gottes, unseres Heilands.“     1)

                                                                                                                                                                                    1)  Anselm Grün   „Weihnachtlich leben“

Frank Michels