Heilige  - was sind Heilige?

 

Ein kleiner Junge besuchte mit seiner Mutter eine alte Kirche. Durch die großen, bunten Fenster fiel das Sonnenlicht  in das dämmerige Gotteshaus und zauberte bunte Reflexe auf die Wände und den Fußboden. Fasziniert betrachtete der Kleine die leuchtenden Gestalten, die in den Fenstern dargestellt waren.
„ Wer ist das?“ fragte er seine Mutter. „ Das sind Heilige“, gab sie ihm zur Antwort. Als Tage später im Kindergarten die Frage gestellt wurde, was Heilige sind, wusste er sofort Bescheid: „Heilige – das sind Menschen, durch die die Sonne scheint.“

In der dunklen Zeit vor Weihnachten sehnen sich die Menschen nach Licht, und gerade jetzt feiern sie die Feste der Heiligen, durch die die Sonne Gottes besonders hell und warm scheint. Es sind nicht die wortgewaltigen Kirchenlehrer, die feurigen Bußprediger oder die heldenvollen Asketen, die das Herz des Volkes erreicht haben, sondern die Menschen, die Güte, Wärme und Barmherzigkeit ausstrahlen. Mit einem Kranz von Legenden umgab das Volk sie, Legenden, die ihre Gestalt greifbar, anrührbar und liebenswert machen.

Martin von Tours, um 316 in Ungarn geboren, begegnet der Legende nach als römischer Soldat am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler und teilt seinen Mantel mit ihm. Als Bischof von Tours unternimmt Martin weite Missionsreisen und stirbt hochverehrt am 8. November 397. Für seinen Mantel ( cappa) baute man ein kleines Gotteshaus – eine Kapelle.
In Dülken gab es schon vor 1860 Martinsbrauchtum. Die Kinder höhlten Rüben aus und stellten ein Licht hinein. Es gab Buchweizenkuchen
(Bockertskook) und Martinsäpfel. 1869 wurde der Martinsverein gegründet und schon seit 1866 zieht der bunte Fackelzug durch Dülken. Der Martinsverein teilt bis heute Geld für warme Winterkleidung an bedürftige Familien.

Am 4. Dezember holen sich die Menschen Barbarazweige ins Haus, die dann um Weihnachten aufblühen sollen – Zeichen der Hoffnung. Barbara soll 306 den Märtyrertod erlitten haben und gehört als „Bärbchen mit dem Turm“ zu den 14 Nothelfern. Der Turm, aus dem sie auf wunderbare Weise errettet wurde, steht als Symbol der Befreiung aus jeglicher Gefangenschaft.

Sankt Nikolaus ist jedem Kind bekannt als der gütige Spender schöner Gaben. Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert und war Bischof von Myra in Kleinasien. Er setzte sich besonders für die Bedürftigen ein und sorgte sich, deren alltägliche Not zu lindern. Am Vorabend des 6. Dezember stellten wir den Teller auf, den wir am Nikolausmorgen mit Süßigkeiten gefüllt fanden. Ein großer Weckmann mit einer irdenen Pfeife gehörte auch dazu. Unvergessen die Abende vor Nikolaus, wo wir – mit Handarbeiten für’s Weihnachtsfest beschäftigt in der Küche saßen und Nikolauslieder sangen und plötzlich ein Bonbonregen in die Stube fiel, über den wir uns hocherfreut hermachten. Nikolausfeiern in Schulen, Vereinen halten bei Jung und  Alt das Andenken an den Bischof von Myra lebendig.

Am 13. Dezember feiert die Kirche das Fest der Heiligen Lucia. In Schweden träumt wohl jedes Mädchen vom Kindergartenalter an davon, einmal als Luciabraut im weißen Gewand mit der Lichterkrone auf dem Kopf, singend umherzuziehen. In Schulen, Gemeinden, Kranken-häusern – überall verbreitet die strahlende Luciabraut Licht in der Zeit des langen schwedischen Winters. Die Legende erzählt, dass Lucia ihren Glaubensgenossen Lebensmittel besorgte. Sie setzte sich dabei einen Lichterkranz aufs Haupt, so dass sie in der Dunkelheit den Weg fand und die Hände frei hatte, um die Gaben verteilen zu können. Lucia erlitt ihr Martyrium unter Kaiser Diokletian um 303, schon um 400 fand man eine Inschrift über ihre Verehrung in Sizilien.
In Boisheim baute  man schon im 17. Jahrhundert die Luciakapelle.

Heilige – Menschen, durch die die Sonne Gottes scheint – Geschenk und Aufgabe für uns.

   Irmgard Terporten