Fastenzeit – „carne vale“

wörtlich übersetzt heißt dies: „Fleisch lebe wohl“.

Fasten nimmt in vielen Religionen eine herausragende Bedeutung ein.

Traditionell bedeutet es die freiwillige Einschränkung der Nahrungsaufnahme aus religiösen Gründen. Fasten befreit von zu vielen sinnlichen Eindrücken und öffnet den Menschen für neue Erfahrungen der körperlichen und geistigen Welt.

In unserem christlichen Verständnis ist das Fasten im Sinne einer Einschränkung im Essen und Trinken heute nicht die einzige Antwort auf den Ruf nach Umkehr und Neubesinnung.

Andere Möglichkeiten sind bewusste Anspruchslosigkeit, umwelt-freundliches Verhalten, verantwortungsvoller Umgang mit Hörfunk und Fernsehen. Auch der Verzicht auf Geld zugunsten Notleidender kann zum Fastenopfer werden und uns, den Menschen, neue Horizonte öffnen.

Wir befinden uns derzeit auf der wohl spannendsten Wegstrecke im Kirchenjahr: die Zeit vor Ostern – der Fastenzeit.

Die so genannte Fastenzeit ist auch eine Zeit, in der wir eingeladen sind unser Leben zu überdenken:

·          In welcher Lebenssituation befinde ich mich gerade?

·          Bin ich zufrieden mit den Aufgaben und Herausforderungen, die man mir stellt, in denen ich lebe?

·          Ich suche nach Stimmigkeiten und Unstimmigkeiten in meinem Leben ( Ausschau halten) und versuche möglicherweise kleine Schritte zu gehen, um eine Veränderung zu wagen. Kann ich das?

Vielleicht benötige ich dafür einen kleinen Anstoß. Das können sein:

·          ein intensives persönliches Gespräch,

·          religiöse Besinnungstage,

·          Andachten, Bußfeiern,

·          Fastenpredigten, die in den Kirchen angeboten werden.

Fasten darf nicht alleine als Anforderung eines religiös motivierten Anspruchs verstanden werden, Fasten enthält eine persönliche Chance. So kann ich mich fragen: Ist  Fasten

Zeit, mich in meinen Schatten zu stellen, über mich nachzudenken,
Zeit, um Feuer zu fangen für etwas Neues
Zeit, Feuer zu werden, mich für etwas begeistern,
Zeit, Wärme zu spenden, mich für andere einzusetzen?

Auf unserer Erde sind wir Menschen einander anvertraut, wir sind füreinander verantwortlich. Umsonst den Anderen zu helfen, ist doch das Natürlichste der Welt, oder?  Wenn jeder nur sich selbst der Nächste ist, können wir Menschen nicht miteinander sondern nur noch gegeneinander leben. Es entstehen Einsamkeit, Sucht, Hunger, Kriege und Gewalt, ja unmenschliche Lebendbedingungen. Lassen wir uns unsere Dienste bezahlen? Einfach ohne Entgelt zu helfen, ist der Kern der Liebe - und die Liebe zu Menschen ist unbezahlbar.

Vielleicht bedeutet Fastenzeit ja auch sich eine Auszeit nehmen.

Wenn es bei einem Basketballspiel nicht klappt, nimmt der Trainer ein „TIME OUT“, um sich mit seiner Mannschaft zu beraten.

Die Fastenzeit ist vielleicht auch eine Gelegenheit

für ein „TIME OUT“ des Lebens: Zeit anhalten.

 

Jutta Holthausen