„Du bist berufen...“

Gedanken über die Frage nach Beruf und Berufung

Im Blick auf die bevorstehenden Priesterweihen (insbesondere von 2 jungen Männern aus Dülken) kommen solche Gedanken wieder ins Bewusstsein oder auch ins Gespräch: Was bedeutet eigentlich Berufung? Und weitergehend können wir fragen: Was macht Berufung aus? Was unterscheidet Berufung von Beruf?

Im kirchlichen Umfeld wird dieser Begriff aber auch im Hinblick auf andere Berufszweige gesehen (allerdings nicht uneingeschränkt von allen in Kirche): Pastoral- und Gemeindereferenten/-innen und Diakone.

Um dies sofort vorweg zu sagen: Ich bin nicht der Meinung, dass die Ausübung einer pastoralen Tätigkeit als Diakon, Pastoral- oder Gemeindereferent oder Priester per se eine Berufung ist oder beinhaltet.  Umgekehrt  möchte ich aber meinen, dass sich diese Berufe hervorragend dafür eignen, eine  vorhandene Berufung darin zu leben, und zwar für Frauen und Männer, für Verheiratete wie Ehelose. Noch verstärkend glaube ich, dass diese Berufe ohne Berufung nicht glaubwürdig ausgefüllt werden können und innerlich hohl bleiben würden.

Aber blicken wir erst mal auf das Verständnis des Begriffes „Beruf“:

Ein Beruf (nicht gleichzusetzen mit einer Arbeitstätigkeit) ist eine (vorwiegend) frei gewählte, vorwiegend auf Neigung und Eignung gegründete, grundlegend erlernte und je weiter spezialisierte entgeltliche Tätigkeit mit Rechten und Pflichten, die ein Mensch ausübt, um seine materiellen und geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Ein Beruf oder eine Berufswahl hat zunächst nichts mit Gott zu tun, sondern ist schlicht und einfach eine (mehr oder weniger) gute und geschickte Wahl des Menschen in Korrespondenz zu den ihm (von Gott) geschenkten Fähigkeiten und Gaben. Und – Beruf hat ein Ende (Berufsunfähigkeit, Rentenalter).

Berufung kann auch in einem allgemeinen Sinne verstanden werden. Was meint es dann?

Im Mittelalter wurde der Ruf durch Gott und mit diesem verbunden ein bestimmter Stand und eine Lebensaufgabe beschrieben (Mönchtum). Von da ausgehend entwickelte sich dieses Verständnis schließlich bis heute zum Begriff der „allgemeinen Berufung“, der Ausdehnung auf verschiedenste Berufsträger und Berufsgruppen erfährt: Man kann heute aus „Berufung“ Krankenschwester oder Arzt, Anwalt oder Bäcker etc. sein.

Hier wird „Berufung“ durch menschliche Leidenschaft, Herzblut, Engagement aus Passion betrieben. Der Mensch gibt hier nicht nur seine Arbeitskraft sondern er gibt sich selbst, etwas aus seinem Inneren.

Berufung im engeren Sinne?

Berufung im engeren Sinne bedeutet eine radikale, ausschließliche und dauerhafte Antwort der Ganzhingabe des Menschen an Gott, dessen Ruf ihn getroffen hat und der ihm diese Berufung aus Gnade schenkt. Berufung ist Ruf Gottes, er verleiht dem Beruf seinen tieferen Sinn.

Wenn also ein Mensch aus freiem Entschluss dem an ihn ergangenen Ruf Gottes antwortet und seine Form der Nachfolge in einem frei gewählten Lebensstand Gestalt werden lässt, dann kommt er damit seiner Berufung nach. Letztlich kann jede/r nur vor sich selbst und vor Gott diese Frage beantworten: Ob sie/ er ihre/ seine Berufung zum Christ-Sein in der Nachfolge Jesu im jeweiligen Beruf (oder auch im Ehrenamt) lebt. Berufen ist nie eine Gruppe o.ä., berufen ist immer nur der einzelne Mensch.

Andreas Bodenbenner, Gemeindereferent