Gedanken zur Ökumene weltweit und in den Kirchen
Über Ökumene lässt sich mindestens in zweierlei Hinsicht sprechen.:
1. Was bedeutet das ökumenische Engagement in Bezug auf die Welt?
2. Was bedeutet es in Bezug auf die Beziehungen der Kirchen zueinander beziehungsweise zu anderen Religionsgemeinschaften?
zu 1. Ökumene weltweit
Dass beide Fragen im wirklichen Leben nicht zu trennen sind, zeigt uns schon das von Johannes überlieferte Gebet Jesu, in dem er seinen Vater für alle bittet, die an ihn glauben, damit sie alle eins seien und fortfährt: Wie du, Vater in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast (Joh. 17,22 ) Im griechischen Urtext steht für dieses Wort glauben pisteuein, was ursprünglich vertrauen bedeutet.
Vertrauen kann die Welt dann haben, wenn die Nachfolger Jesu so leben und handeln, dass man es ihnen abnimmt, dass Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft von Gott herkam und dieser Welt die göttliche Liebe gebracht hat. Das gilt für alle, ganz gleichgültig welcher Kirche sie angehören, in welchem Erdteil sie leben.
Die Einheit der Christen ist nach diesem Wort des Johannes also nicht Selbstzweck, sondern ein Zeugnis für die Welt. Die Welt, die damals wie heute gespalten ist in Arm und Reich, in der Krieg herrscht, die voller Angst ist, soll miterleben, dass die Christen über alle kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg Gemeinschaft pflegen. Das hat Konsequenzen für das christliche Leben, und zwar für das spirituelle wie für das weltliche Leben.
Wenn wir im Vater unser, diesem ökumenischsten aller Gebete, um das tägliche Brot oder um die Vergebung der Schuld bitten, bitten wir nicht für uns individuell. Wir bitten um unser tägliches Brot. Es geht um die Gemeinschaft, die leben soll, und Jesus fasst diese weit so weit, dass sie die in der Gesellschaft Ausgeschlossenen mit einbezieht. Wir beten also rund um den Erdball für alle Menschen.
Zu 2. Ökumene die Beziehung der Kirchen
Was die Beziehung der Kirchen untereinander betrifft, sei an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Ökumene erinnert, die da heißt:
der bewohnte Erdkreis.
Biblisch verstanden ist der Erdkreis bewohnt von all den verschiedenen Völkern mit ihren unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, die sich nach dem Turmbau zu Babel in alle Länder zerstreuten.
Nach dieser Gründungserzählung von der Vielfalt der Kulturen hatte Gott das Projekt einer Einheitskultur mit seinem Machtanspruch und seinem Machtsymbol des bis in den Himmel reichenden Turmes scheitern lassen und diese Einheitsfanatiker eines Besseren, nämlich des Reichtums der Vielfalt belehrt.
Bei der Frage nach den Beziehungen der Kirchen untereinander kann es also nicht um Vereinheitlichung gehen sondern um versöhnte Verschiedenheit. Diese Vorstellung respektiert die Unterschiede und will nicht vereinheitlichen; aber sie trägt nur, wenn wir das Wort Versöhnung in seiner Dynamik ernst nehmen, die jede Kirche in ihrer Identität in Frage stellt und zur Erinnerung einerseits, zur Umkehr und Erneuerung anderseits ruft.
Vielmehr sollte es darum gehen, eine Gemeinschaft von Kirchen zu werden, die sich gegenseitig - auch im geistlichen Amt anerkennen und sehen, dass die anderen Kirchen genauso auf dem Weg der Wahrheitssuche sind und der eigene Weg nicht der einzig wahre ist.
Ökumene hier vor Ort
Vielfältig sind in den letzten Jahren Begegnungen im ökumenischen Geist in den Dülkener Gemeinden gewachsen. Gemeinsame Bibelkreise und Gottesdienste, Gespräche und Gebete, Aktivitäten im sozial diakonisch/ caritativen Bereich sind entstanden und haben zur Begegnung, zum Vertrauen und zu gegenseitiger Kenntnisnahme und Annahme geführt. Dafür dürfen wir dankbar sein.
Am 26. August wird das ökumenische Gemeindefest einen weiteren wichtigen Akzent setzen.
Zu diesem Fest sind alle ganz herzlich eingeladen.
Pfarrer Theo Wolf